09.06.2015

1. Zukunftswerktstatt Demenz

Gründung Verein ÜbermorgenMaler beschlossen

Überraschend viele kamen zur 1. Zukunftswerkstatt Demenz auf Einladung von Michael Wissussek dem Leiter der Demenzpflege in Riedlingen. Angehörige, Pflegende und Interessierte
stellten sich dem Thema: Wie geht es Ihnen mit dem Thema Demenz? 
Im Kreis Biberach leben derzeit ca. 2700 an Demenz erkrankte Menschen. Die Erhebung der tatsächlichen Zahlen ist im Vergleich zu großstädtischen Regionen um ein vielfaches schwieriger,
da das Tabu um die Demenz in der ländlich strukturierten Gesellschaft noch stärker gegeben ist. Teils vorhandene Familien- und Nachbarschaft Strukturen kommen für die Betreuung der Angehörigen auf. Aber auch sie brauchen Hilfe und Unterstützung. Sagen dürfen was einen bewegt, sich die eigene Überlastung zugestehen dürfen und festzustellen, ich bin nicht allein mit all meinen Fragen und Nöten. Auch die Selbstreflexion und die Suche nach der eigenen Lebensqualität ist ein wichtiges Erkennen. Wo sind meine Träume geblieben? Wünsche und Sehnsüchte existieren sie noch? Welche Hilfe ist die richtige Hilfe für mich und meinen Bedarf in den großen Wirren der vielen Angebote?! Es gilt das Tabu zu brechen.

In drei Arbeitsgruppen widmeten sich die Teilnehmer den Fragen: Welche Angebote kennen oder nutzen Sie? Fühlen Sie sich gut informiert und ausreichend versorgt? Was wünschen Sie sich an Verbesserungen? Demenz braucht mehr Öffentlichkeit! Die Menschen müssen sich damit auseinandersetzen, bevor ihre Angehörigen oder vielleicht sie selbst erkranken. Jeder kann betroffen sein. Die Gespräche ergaben, dass die Ängste da sind. Aber mit wem darüber reden können? Es fehlt eine Anlaufstelle, wo man sich hinwenden kann. So etwas wie eine Sprechstunde für Demenz, oder ein Bürgerbüro. Der Zeitpunkt, an dem die Diagnose gestellt wird, ist ein zu später Zeitpunkt sich Hilfe zu holen. Wertvolle Zeit ist verstrichen. Zeit des sich Zurückziehens anstatt Stunden des gemeinschaftlichen Erlebens gehen zu Lasten der Lebensqualität

Es besteht auch der Anspruch nach Inklusion, der Zugehörigkeit und sie in die Mitte nehmen.

Anderssein ist normal und kein Unmöglich sein. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dafür zu sorgen, dass sich für alle Menschen ein solidarisches Miteinander entwickelt.

Daran möchten die Teilnehmer der 1. Zukunftswerkstatt Demenz weiter zukunftsorientiert arbeiten und einen Verein „Die ÜbermorgenMaler“ gründen. Sie möchten eine Plattform schaffen, welche bürgerschaftlich und politisch einen Sensibilierungsprozess für den Komplex Demenz entwickelt. Den Betroffenen, die zunehmend ihre Selbstbestimmung verlieren eine Stimme geben und aus dem Lernerfahrungsprozess des Umgangs mit dem Anderssein präventiv die Zukunft mit Demenz gestalten.

Hierzu wird eine vernetzende Zusammenarbeit mit bestehenden Netzwerken und Verbänden wie z.B. dem Kreis- oder Landesseniorenrat, aber auch den einzelnen Gemeindeverbänden angestrebt.

Der Gründungstermin ist für den 17. September 2015 geplant.